Spatzenrückgang

Warum geht der Spatzenbestand seit Jahrzehnten zurück?

Der Haussperling – kurz Spatz – gilt derzeit noch nicht als gefährdet. Der Spatzenbestand geht jedoch seit 25 Jahren kontinuierlich zurück.

In Deutschland leben – noch – gut fünf Millionen Brutpaare. Doch der Bestand nimmt stetig ab, und es droht ihm dasselbe Schicksal wie vielen anderen Vogelarten: die Aufnahme in die Rote Liste.

Spatz beim Bad
Spatz beim Bad © Ralf Becker

Heute verliert der Spatz sein Leben nicht mehr durch Jagd oder absichtliche Verfolgung, sondern durch den schleichenden Kampf gegen Insektizide und das zunehmende Insektensterben. In unseren, von der Landwirtschaft dominierten Landschaften, ist kaum noch Platz für „Schädlinge“ oder Wildkräuter. Auf riesigen Agrarflächen außerhalb der ökologischen Landwirtschaft werden jährlich Millionen Tonnen Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel ausgebracht.

Die Natur Pur-Stiftung möchte dem Spatz unter die Flügel greifen und seinen Lebensraum erhalten.

Ihr könnt uns dabei helfen:

Meldet uns Spatzenvorkommen in eurer Umgebung. Wir kartieren die Bestände und sprechen mit Grundstückseigentümern, um die Spatzen und ihren Lebensraum zu erhalten.

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Die Hauptgründe für den Rückgang des Spatenbestandes:

  • Mangel an Nistmöglichkeiten
  • Nahrungsmangel
  • Versiegelung von Flächen
  • Entnahme von Hausbegrünungen
  • Fehlen von Hecken  und Sträuchern als Rückzugsorte
  • Intensive Landwirtschaft und ihre Monokulturen
  • Einsatz von Pestiziden, Insektiziden und Herbiziden

Die Haussperlinge  kämpfen jeden Tag ums Überleben

Ein Zeichen, wie stark der Haussperling sich an das Leben mit den Menschen angepasst ist, zeigt sein Bestand in Helgoland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Insel evakuiert und war viele Jahre unbewohnt. Die Spatzenpopulation ging komplett verloren.

In den 60er Jahren kehrten die Bewohner auf die Insel zurück und brachten auch die Spatzen mit. Der Bestand erholte sich in kurzer Zeit. Zu der damaligen Zeit fand der Haussperling noch genügend Insekten – selbst auf Helgoland.

In 1993 wurden in Deutschland noch 7,5 Mio. Brutpaare gezählt (weltweit sind es ca. 500 Mio. Brutpaare bzw. 1,3 Mrd. Haussperlinge und damit ist es der häufigste Vogel der Welt).

Da es keine verlässlichen Zählungen aus früheren Zeiten zum Haussperling gibt, kann jedoch anhand von Erzählungen, Stichproben und Merkmalen zum Spatzen davon ausgegangen werden, dass es um die 1950er Jahre in Deutschland weit über 15 Mio. Sperlinge gegeben haben muss.

Heute leben bei uns nur noch rund 5 Mio. Brutpaare.

Die häufigsten Spatzenvorkommen in Deutschland

Im letzten Atlas der Brutvögel vom Dachverband der Avifaunisten aus dem Jahr 2014 werden die häufigsten Spatzenkolonien wie folgt kartiert:

  • Berlin
  • Rheinland von Köln bis Wesel
  • Ruhrgebiet
  • Niederrhein
  • Mainz / Mittelrhein
  • Oberallgäu (Immenstadt/Kempten)

In diesen Regionen war der Spatz in der Zählung von 2005 bis 2009 noch zahlreich vertreten. Derzeit wird eine eine neue Vogelzählung durchgeführt und wir dürfen auf die Ergebnisse in den nächsten Jahren gespannt sein.

Unsere Bundeshauptstadt Berlin ist auch die Spatzenhauptstadt mit über 8.000 Revieren auf 126 qkm. So viele Reviere auf engem Raum finden sich nur noch sehr vereinzelt in Deutschland.

Im Gegensatz dazu finden sich die geringsten Spatzenreviere in den siedlungsarmen und waldreichen Gegenden Norddeutschlands wie in der Lüneburger Heide, Altmark dem Harz aber auch dem Pfälzerwald, dem Schwarzwald, Bayerischer Wald und den Alpen.

Spatz ist den Menschen gefolgt

Der Spatz ist den Menschen in die Siedlungen bzw. auf die von ihm bewirtschafteten Landwirtschaften gefolgt. Für den Haussperling begannen ab 1800er Jahren „goldene“ Zeiten.

Es entstanden Dörfer und Städte. Viele Bewohner hielten Nutztiere wie Geflügel oder Schweine. Sie bekamen Futter und für den Spatz fiel immer etwas ab. Auch in der Landwirtschaft konnten sich die Vögel auf reiche Nahrung verlassen. Die Maschinen waren lange nicht so ausgereift und präzise wie heute. So blieb genügend Ernte für die Spatzen auf den Feldern oder in den Scheunen.

Die Dörfer waren „übersät“ mit Sperlingsnester.

Spatzen Fressen
Spatzen Fressen © Ralf Becker

Mit der Verbesserung der Landmaschinen, dem Verlust von Nutztieren in den Dörfern, wurden dem Spatzen Nahrungsquellen entzogen.

Heute bleiben auf Äckern nach der Ernte keine Körner und Samen mehr liegen. Die Ernte wird zu 100 % eingefahren, die Äcker umgepflügt und in den Scheunen gibt es kaum noch offenes Futter.

Auch die moderneren Hofgebäude machen dem Haussperling zu schaffen.

Sein größter Feind ab den 1970er Jahren ist jedoch der Einsatz von Pestiziden und Herbiziden – auch in Parks und Privatgärten.

Sperlinge wurden sogar zur Erntegefahr

In den 1960er Jahren stieg die Zahl der Spatzen so dramatisch an, dass in einigen Regionen ganze Ernten vernichtet wurden. So wurden in einigen polnischen Dörfern bis zu 15.000 Sperlingsnester gezählt.

Daraufhin wurde an die Spatzen Giftweizen verfüttert. Ganze Populationen wurden ausgelöscht mit der Folge, dass in den Folgejahren durch den extremen Anstieg von Schädlingen wieder Missernten eingefahren wurden. So wurden in Hessen in den 1950er Jahren 1,4 Mio. Sperlingen getötet:

Ohne Erfolg. Nach zwei Jahren war die ursprüngliche Zahl der Spatzen wiederhergestellt.

Nur der Entzug der Lebensgrundlage seit den 1970er Jahren dämmte den Spatz vehement ein.

Insekten fehlen für den Spatzen-Nachwuchs

Doch wovon soll der Spatz seinen Nachwuchs ernähren? Die Jungvögel sind zwingend auf Insekten angewiesen. Laut der Krefelder Studie (2017) hat sich die Bioinsektenmasse von 1989 bis 2013 um bis zu 77 % reduziert.

77 % weniger Nahrung für unsere Vögel zur Fütterung ihres Nachwuchses.

Für den Spatz kann dieser gravierende Verlust der Unterscheid zwischen Überleben und Aussterben sein.

Haussperlinge leben gerne in der Nähe des Menschen und nutzen dessen Häuser als Brutplatz. Doch heute werden Spalten und Hohlräume unter Dachziegeln konsequent verschlossen – ausgerechnet dort, wo Spatzen am liebsten ihre Nester anlegen. In der Folge fehlen zunehmend geeignete Nistmöglichkeiten, da auch nur wenige Menschen Nistkästen für Spatzen anbringen.

Spatzen beim Baden
Spatzen beim Baden © Ralf Becker

Dabei richten die kleinen Vögel keinerlei Schaden an. Ihre Nester sind einfach gebaut und nehmen kaum Platz ein.

Wenn du ein eigenes Haus besitzt und die Zugänge unter den Dachpfannen mit Draht oder ähnlichen Vorrichtungen abgesperrt hast, öffne sie!  Haussperlinge werden sich rasch ansiedeln.

Stelle ihnen das ganze Jahr über ein Futterangebot bereit, und du wirst dich über bis zu vierzig kleine gefiederte Nachbarn freuen können.

Als Standvögel, die auch in unseren Wintern bleiben, benötigen sie das ganze Jahr über Futter an derselben Stelle. Besonders in der kalten Jahreszeit ist regelmäßiges Füttern wichtig.

Spatzen sind Ortstreu

In Untersuchungen wurde festgestellt, dass Jungvögel sich max. 1 km um ihren Geburtsort ansiedeln. 81,5 % bleiben sogar – falls genug Platz und Nahrung vorhanden – in ihrer Spatzenkolonie, die sich somit von Jahr zu Jahr vergrößert.

Wir als Stiftung können dies bestätigen. Im Haus der Natur Pur-Stiftung lebten bis vor fünf Jahren sechs Spatzen unterm Dach. Heute (2026) sind es bereits über 60 Spatzen, die sich weiter vermehren und ihren Nachwuchs unter dem Dach und eigens für sie angebrachten Spatzennistkästen aufziehen.

 

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