Spatzeninfos

Alles über den Spatz

Haussperling / Spatz – Passer domesticus – Vogel des Jahres 2002

Der Haussperling, allgemein als Spatz bekannt, ist einer der bekanntesten und beliebtesten Vögel unserer Gärten. Auf der aktuellen Liste der häufigsten Vogelarten in Deutschland ist er allerdings von Platz 3 auf Platz 5 zurückgefallen.

In Deutschland leben heute etwa fünf Millionen Brutpaare. Doch dem kleinen Spatz geht es zunehmend schlechter: Sein Bestand schrumpft Jahr für Jahr. Ein wichtiger Grund dafür sind unsere energetisch sanierten Häuser und der Verlust alter Bauernhäuser. Jeder Spalt und jede kleine Lücke zwischen Dachziegeln wird heute sorgfältig verschlossen – und damit verschwindet auch der Nistplatz für den Haussperling.

Spatzen beim Baden
Spatzen beim Baden

Der Spatz hatte es nicht immer leicht

Seit rund 10.000 Jahren begleitet der Spatz den Menschen tagtäglich – doch wohlgesinnt war man ihm nicht immer. König Friedrich II. von Preußen etwa setzte einst ein Kopfgeld von sechs Pfennigen auf jeden getöteten Spatz aus. Der Grund: Die Vögel fraßen ihm seine geliebten Kirschen weg.

Der König hatte jedoch nicht mit einer derart massiven Jagd gerechnet. Tausende Taler mussten aus der Staatskasse an die Bürger ausgezahlt werden – eine beachtliche Summe. Doch bald rächte sich die Natur: Ohne Spatzen vermehrten sich Insekten und Raupen rasant und fraßen die Kirschbäume kahl. Schließlich blieb Friedrich nichts anderes übrig, als Kirschen zu importieren. Er beendete daraufhin das Spatzenmassaker, die Population erholte sich – und schon bald konnte der König wieder in seinen königlichen Gärten Kirschen genießen.


Spatzenmord in China

Leider hatte Mao Zedong wohl nichts von Friedrich dem Großen gelernt – sonst wäre die Geschichte vielleicht anders verlaufen. Während der Revolution in China kamen nicht nur unzählige Menschen ums Leben, auch der Spatz wurde beinahe ausgerottet.

Um Hungersnöte zu erklären, suchte die kommunistische Partei nach einem Schuldigen – und fand ihn in den Spatzen. 1957 erklärte Mao den Haussperling zum „Agrarfeind Nr. 1“. Über eine halbe Milliarde Chinesen begann daraufhin, Jagd auf die kleinen Vögel zu machen.

2,5 Milliarden Spatzen in nur drei Tagen getötet

Innerhalb von nur drei Tagen wurden etwa 2,5 Milliarden Spatzen erschlagen – eine grauenvolle Tat. Da man sie in der Luft kaum fangen konnte, wurden sie so lange aufgescheucht, bis sie erschöpft zu Boden fielen, wo sie dann mit Knüppeln getötet wurden.

Doch auch hier rächte sich die Natur: Mit den Spatzen verschwanden ihre Hauptaufgabe – die Insektenfresser – und die Schädlinge vermehrten sich zu Milliarden. Ganze Ernten wurden vernichtet, Millionen Menschen verhungerten. Erst Jahre nach Maos Tod begann die chinesische Regierung damit, den Spatz wieder als nützlichen Vogel anzuerkennen und seine Wiederansiedlung zu fördern.

Auch in der jungen Bundesrepublik Deutschland blieb der Haussperling nicht verschont. Die Regierung sah ihn zeitweise als Mitverursacher der Hungerjahre nach dem Zweiten Weltkrieg – mit fatalen Folgen. Durch den Einsatz von vergiftetem Weizen kamen Millionen Haussperlinge qualvoll ums Leben.

Der Name Spatz

Der Name „Spatz“ geht auf das Althochdeutsche zurück. Um Dinge oder Namen zu verkleinern, wurden Wörter abgekürzt und mit einem „z“ versehen. So wurde aus Sperling der Spatz – ebenso wie aus Heinrich der Heinz wurde.

Der Spatz hat es auch in zahlreiche Redewendungen der deutschen Sprache geschafft:

  • „Das pfeifen die Spatzen von den Dächern“ – weil der Spatz so nah bei den Menschen lebt, bekam er angeblich alle Geheimnisse des Hausbesitzers mit. Wenn sich eine Spatzengruppe lautstark versammelt, scheint es, als würden sie die neuesten Neuigkeiten „herumzwitschern“.
  • „Du isst wie ein Spatz“ – wird häufig zu Kindern gesagt, die nur wenig essen.
  • „Mit Kanonen auf Spatzen schießen“ – warnt davor, bei kleinen Problemen übertrieben hart zu reagieren.
  • „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ – bedeutet, dass man lieber mit dem zufrieden sein sollte, was man sicher hat, anstatt einem ungewissen größeren Gewinn hinterherzujagen.
  • Weniger bekannt ist „Dann sind ja alle Spatzen gefangen“, was sinngemäß „Es ist alles erledigt“ bedeutet.
  • Und auch die Redewendung „Du hast wohl Spatzen unterm Hut“ wurde früher verwendet, um jemandem zu unterstellen, er verhalte sich sonderbar oder eigensinnig.

Als Kosewort ist „Spatz“ bis heute beliebt – etwa in „mein kleiner Spatz“ oder „Spatzilein“. Doch auch als Schimpfwort taucht er auf: Ein „Muskelprotz mit Spatzenhirn“ etwa bezeichnet jemanden, der stark, aber nicht besonders klug ist – was dem kleinen, aufgeweckten Vogel natürlich nicht gerecht wird.

Das bekannte Wort „Dreckspatz“ leitet sich übrigens von der Vorliebe des Spatzen ab, im Staub oder Sand zu baden.

Der Haussperling / Spatz – Fakten und Informationen

Größe: Länge ca. 15 cm
Gewicht: 25–35 g
Flügelspannweite: 21–26 cm


Wie lange leben Spatzen?

Haussperlinge werden im Durchschnitt drei bis sechs Jahre alt. Ihr Lebensalter hängt stark von den Umweltbedingungen ab. In städtischen Regionen, wo weniger Fressfeinde lauern und oft Futterreste zu finden sind, erreichen sie meist ein höheres Alter als wild lebende Artgenossen in freier Natur.

Aussehen:

  • Männchen: graue Kappe, schwarzes Kinn (Kehlfleck), graue Unterseite, Flügel braun-beige-schwarz gemustert
  • Weibchen: unauffälliger gefärbt, mit hellem Streifen hinter dem Auge und beigebrauner Unterseite

Vorkommen: in ganz Europa, ausgenommen Island und Hochgebirge
Lebensraum: als ausgesprochener Kulturfolger lebt der Spatz in Städten, Dörfern, Parks und Gärten – überall dort, wo der Mensch siedelt.


Was fressen Spatzen?

Der Haussperling ist ein Allesfresser. Er ernährt sich von Samen, Körnern, Insekten (etwa Läusen), Früchten und Beeren. Häufig sucht er am Boden unter Futterstellen nach Resten. Die Jungvögel hingegen werden ausschließlich mit tierischer Nahrung – vor allem Insekten, Läusen und kleinen Raupen – gefüttert. Selbst Ameisen stehen gelegentlich auf dem Speiseplan.

Spatzen füttern?

Soll man Spatzen ganzjährig füttern?
Diese Frage hängt stark vom Lebensraum ab. Aus eigener Beobachtung lässt sich jedoch sagen: Ja, eine ganzjährige Fütterung ist sinnvoll.

In den letzten 25 Jahren ist die Insektenpopulation um etwa 75 % zurückgegangen. Während der ausgewachsene Spatz überwiegend Körner frisst, benötigen die Jungvögel während der Brutzeit Insekten. Da diese immer seltener werden, müssen die Eltern mehr Energie für die Nahrungssuche aufbringen.

Ein regelmäßiges Futterangebot in Nestnähe stärkt die Altvögel und verschafft ihnen Zeit, ihre Jungen ausreichend mit Insekten zu versorgen.


Fleißiger Haussperling – bis zu 18 Jungvögel im Jahr

Brutzeit: Der Haussperling ist ein typischer Haus- und Dachbrüter. Er sucht Spalten unter Dachtraufen, dichtes Efeu oder Hecken, um dort sein bescheidenes Nest zu bauen – bevorzugt in sechs bis zehn Metern Höhe.
Mit dem Frühling ab April beginnt die erste Brut, meist gefolgt von zwei weiteren Bruten im Jahr.

Ein Gelege umfasst vier bis sechs Eier, die 13 Tage bebrütet werden. Nach weiteren 14 bis 17 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest. Doch nur rund 20 % überleben ihr erstes Jahr – entscheidend sind Lebensraum, Nahrung und Schutz vor Gefahren wie Straßenverkehr oder Katzen.

 

Warum wirft der Spatz Junge aus dem Nest?

Auf den ersten Blick wirkt es grausam: Unter einem Spatzennest liegen manchmal tote Jungvögel auf dem Boden. Schnell fragt man sich, ob sie zufällig herausgefallen sind – doch meist hat das Elternpaar sie absichtlich aus dem Nest geworfen.

Dafür gibt es zwei Hauptursachen:

  1. Nahrungsknappheit
    Durch den massiven Einsatz von Pestiziden und Insektiziden fällt es Spatzen zunehmend schwer, genug Insekten für ihre Jungen zu finden. Wenn die Eltern erkennen, dass die Nahrung nicht für alle Küken reicht, werfen sie einige – meist die schwächeren und noch nackten – aus dem Nest. So erhöhen sie die Überlebenschancen der übrigen Jungvögel.
  2. Nestübernahme durch Rivalen
    Spatzen sind sehr revierbewusst. Wird ein Nest von einem fremden Männchen oder Paar übernommen, kommt es oft zur vollständigen Räumung: Der Rivale wirft nicht nur das Nistmaterial, sondern auch die Küken hinaus und beginnt eine neue Brut. Für uns Menschen mag dieses Verhalten brutal erscheinen – doch in der Natur sichert es, dass sich die stärksten Gene durchsetzen.

Lebensraum und Verhalten:

Damit sich der Haussperling in deiner Umgebung wohlfühlt, braucht er dichte Hecken oder immergrün bepflanzte Büsche als Schutz und Rückzugsort. Der Spatz ist ein geselliger Vogel, der sich in Gruppen am wohlsten fühlt. Er badet gerne – sowohl im Wasser als auch in trockenem Sand oder Staub.

Überwinterung:

Im Winter nutzen Spatzen meist ihre alten Nester oder Nistplätze. Unter Dächern finden sie dort Schutz vor Kälte und Wind.

Nistmöglichkeiten:

Im Handel gibt es spezielle Nistkästen für Haussperlinge. Da sie gerne in Kolonien brüten, solltest du mehrere Kästen anbieten – am besten eine Art „Spatzen-Mehrfamilienhaus“ mit mehreren Kammern.

Tipp für den Spatz

Ab April kannst du Spatzen zusätzlich mit Mehlwürmern füttern. Wenn du getrocknete Mehlwürmer verwendest, weiche sie vorher etwa 30 Minuten in Wasser ein. Insekten enthalten normalerweise Feuchtigkeit, die getrocknete Mehlwürmer nicht bieten – ohne Einweichen könnten die Jungvögel innerlich austrocknen.

Auch verschiedene Samen werden gern gefressen.

Nistkasten für Spatzen

Unsere Spatzen sind überaus gesellige Vögel. Sie baden, fressen und brüten am liebsten in Gemeinschaft. Zwar hat jede Spatzenfamilie ihr eigenes Nest, doch sie leben in enger Nachbarschaft und kommunizieren ständig miteinander.

Um den kleinen Vögeln zu helfen, kannst du spezielle Spatzen-Nistkästen anbringen. Diese unterscheiden sich von herkömmlichen Nistkästen: Sie besitzen in der Regel drei Brutkammern nebeneinander, sodass mehrere Paare gleichzeitig brüten können.

Der ideale Standort liegt mindestens vier Meter über dem Boden – etwa an einer geschützten Hauswand oder unter einem Dachvorsprung. Dadurch sind die Nester sicher vor Katzen, Mardern und anderen Bodenfeinden.


Natürliche Feinde des Spatzen

Einer der gefährlichsten Feinde aus der Luft ist der Sperber. Dieser Greifvogel jagt bevorzugt kleine Singvögel wie den Spatz. Mit scharfen Augen visiert er seine Beute aus der Luft an, stößt blitzschnell herab und greift sie mit kräftigen Krallen. Für den Spatz gibt es dabei kaum eine Chance zu entkommen.

Sperber
Sperber (c) Ralf Becker

Wird ein Sperber jedoch rechtzeitig entdeckt, warnt die gesamte Spatzengruppe lautstark – ein typisches, hektisches Zwitschern, das alle anderen auf die Gefahr aufmerksam macht.


Wenn du einige dieser Tipps beherzigst und deinen Garten spatzenfreundlich gestaltest, wirst du schon bald eine lebendige Kolonie um dein Haus haben. Ihr fröhliches Gezwitscher und ihr quirliges Treiben bereichern jeden Tag.

Fazit – Platz für den Spatz

Der Haussperling ist weit mehr als nur ein gewöhnlicher Gartenbewohner. Er begleitet den Menschen seit Jahrtausenden – unauffällig, treu und charmant in seiner schlichten Art. Doch sein Lebensraum schwindet, und mit ihm die fröhlichen Spatzenrufe, die einst selbstverständlich zum Alltag gehörten.

Jeder kann etwas tun, um dem Spatz zu helfen: offene Dachnischen erhalten, Nistkästen aufhängen, Futterstellen das ganze Jahr über anbieten und Insekten im Garten zulassen. Schon kleine Gesten schaffen große Wirkung – denn wo Spatzen sind, dort lebt auch die Natur.

Vielleicht nistet schon bald eine ganze Kolonie um dein Haus, zwitschert im Morgenlicht und erinnert dich daran, wie wertvoll diese unscheinbaren Gefährten wirklich sind.

Zum Schluss noch ein Gedicht:

Die drei Spatzen

In einem leeren Haselstrauch,
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz
und mittendrin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber, da schneit es, hu!

Sie rücken zusammen dicht an dicht,
so warm wie Hans hat’s niemand nicht.

Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

Ein Gedicht von Christian Morgenstern.

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